Sensible frauliche Gefühlswelt: Die Bilder der Farah Willem.

„Die Frauenfiguren wirken so klein und zerbrechlich“, beschreibt Yanine Esquivel die Bilderwelt der Farah Willem und hebt die Stimme leise zum wichtigen Aber: „Aber sie gehen nicht unter sondern bilden immer den dominanten Mittelpunkt ihres Werkes.“
Dieses Werk, jedenfalls 63 Ausschnitte daraus, ist seit dem 9. Mai in der Neumünsteraner Bürgergalerie zu sehen, zu erleben, ja, nachzuempfinden. Eine höchst sensible frauliche Gefühlswelt, die gekonnt auf dem „Grad der Unsicherheit“ – so der Ausstellungstitel – balanciert.
Farah Willem malt traumwandlerische Seelenbilder, deren tatsächliche Stärke sich durch die Fähigkeit, innerste Befindlichkeiten und Zerissenheiten mit künstlerischen Mitteln adäquat auszudrücken, offenbart. Fahras differenzierte Unsicherheit ist Thema, aber keineswegs persönlicher Status der Künstlerin.

In ihrer Einführung während der Vernissage erkennt die Kunsthistorikerin Yanine Esquivel dies mit Empathie: Farah Willems Frauen werden „mit einer zarten aber bestimmten durchgezogenen Linie auf das Papier gebracht, ohne auch nur einmal die Feder abzusetzen“. Die tiefere Vielschichtigkeit erzielt sie durch eine eigene Mischtechnik, wobei sie nicht nur zu Feder und Pinsel greift, sondern auch zum Spachtel und akzentuiert Farben, Tinten und Lacke auf das verwendete japanische Reispapier aufträgt. Die Unschärfe ihrer dargestellten Gesichter unterstreicht perfekt flirrende innere Gefühlswelten. Zusätzlichen poetischen Ausdruck erreicht sie durch ihre metamophorische Bildgestaltungen.


Es verwundert nicht, dass sich Farah Willems Schaffen nicht allein auf ihre verzaubernde Verquickung von Grafik und Malerei beschränkt. Ihre Bildfindung fusst auf einer lyrischen Fotografie, in der sie ihren eigenen Befindlichkeiten immer wieder nachspürt, auf den Grund geht oder einfach nur sucht und findet. So sehr sie dabei den Betrachter in ihre Welten auch hineinzuziehen vermag, so sehr achtet sie aber auch darauf, Distanz zu bewahren. Dabei bleibt sie stets und ganz Frau, mit vollem rotem Mund, nie lächelnd, immer geheimnisvoll, immer verletzlich bleibend. Flankierend zu dieser Bilderwelt entwickelt sie lyrischen Ausdruck in Gedichten.

Über diese Poesie wurde Farah Willem „entdeckt“. Es war der in Berlin lebende Horst-Rainer Judith, der über ihre Bilder und Zeilen im Internet stolperte und derart fasziniert war, dass er den Kontakt suchte. Mittlerweile hat er gemeinsam mit Willem ein zweisprachiges Büchlein erstellt, ihre Gedichte übersetzt:  „Le silence autour des pavots – Die Lautlosigkeit rundherum um den Mond“ ist im Karin Fischer Verlag als Paperback erschienen und mit einigen Willem-Bildern illustriert.
(ISBN: 978-3-8422-4102-2 – Euro 12,80)

Judith war denn auch vor Ort, im Gegensatz zur in Paris lebenden Künstlerin, auf deren Biographie Yanine Esquivel auch noch einging. Kunst zu schaffen gehöre für Farah Willem zum Leben „wie das Atmen, das Essen und das Schlafen“. Willem  sei „manchmal sogar in einem solchen Rausch, dass die Kunst Vorrang vor allem anderen“ habe, betonte Esquivel.

Die Bürgergalerie in Neumünster (Esplanade 20) passe als Ausstellungsort perfekt, weil „die Atmosphäre dieses Ortes den Charakter von Farahs Arbeiten wunderbar unterstreicht“.
Nachzuprüfen ist dies noch bis zum 4. Juli 2014, mittwochs bis samstags jeweils von 15:00 bis18:00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Wer mehr erfahren möchte, klicke hier:
http://www.buergergalerie.de/ (u.a. eine Kurzbiografie)
Einen ausführlichen Bericht zu Farah Willems Ausstellung vor kurzem in Husum:
Fotos und Bilder von Farah Willem in ihrem eigenen Flickr-StreamBild

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