Londoner Hybridkünstler mischt Kieler Landtag auf: „Aliens in Parliament“

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Aliens protestieren ab morgen im Kieler Landtag gegen verschüttete Erinnerungen reicher Länder bezüglich kolonialer Vergangenheiten und Angst vor dem Fremden. Aus London kommend schweben sie in drei Flugmaschinen à la Leonardo da Vinci mitten hinein in die Ausstellungshalle des Parlaments … Weiterlesen

Fragile Klänge: „Epistem 775 Itzehoe“

Mit seiner im Wenzel Hablik Museum gezeigten Arbeit „Epistem 775 Itzehoe“ beteiligte sich der Oldenburger Künstler „Herr Penschuck“ am 1. Kunstfestival Itzehoe – Kunst und Stadt des Künstlerbundes Steinburg.

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Epistem 775 Itzehoe

Mit Ohren und Geist nähert sich „Herr Penschuck“ dem Kosmos Itzehoe, stets auf der Suche nach Zeichen struktureller Macht.
Für sein durchwanderbares Klangfeld aus experimenteller Musik
trommelt der Gastkünstler aus Oldenburg auf dem Treppengeländer
eines Geldinstituts, bearbeitet Werksgeräusche der nahen
Kreidegrube und erforscht den Raumklang des Galgenbergs
aus der Bronzezeit per Klangholz. Diese „regionale Dialektik“,
verknüpft mit „Innenwelten des Einzelnen“, ergibt einen wissensbasierten
Ortsklang, der sich aufgrund unterschiedlicher Loop-
Längen bei jedem Durchschreiten neu arrangiert.

Hybridskulptur TRINA jedenfalls liebt diesen Sound.

Mehr Infos über diese Links:
Festival-Seiten des Künstlerbundes Steinburg
Herr Penschuck
Hybridskulptur TRINA auf Facebook: Werde Fan, aber nur, wenn Du es wirklich willst.
Über dieses Kunstfestival erschien eine umfangreiche Dokumentation in Schleswig-Holstein – Die Kulturzeitschrift für den Norden.

Offenlegung: Für den Künstlerbund Steinburg war ich als Festival-Schreiber engagiert beteiligt, für die Kulturzeitschrift als Redakteur. Text und Fotos stammen von mir, sie sind urheberrechtlich geschützt. Für die Erlaubnis, die Sound-Datei zu veröffentlichen, bedanke ich mich bei dem Künstler Dan Penschuck herzlichst.

Die Verlinkung und Verteilung dieses Blogbeitrags ist selbstverständlich gestattet und erwünscht 😉

Sensible frauliche Gefühlswelt: Die Bilder der Farah Willem.

„Die Frauenfiguren wirken so klein und zerbrechlich“, beschreibt Yanine Esquivel die Bilderwelt der Farah Willem und hebt die Stimme leise zum wichtigen Aber: „Aber sie gehen nicht unter sondern bilden immer den dominanten Mittelpunkt ihres Werkes.“
Dieses Werk, jedenfalls 63 Ausschnitte daraus, ist seit dem 9. Mai in der Neumünsteraner Bürgergalerie zu sehen, zu erleben, ja, nachzuempfinden. Eine höchst sensible frauliche Gefühlswelt, die gekonnt auf dem „Grad der Unsicherheit“ – so der Ausstellungstitel – balanciert.
Farah Willem malt traumwandlerische Seelenbilder, deren tatsächliche Stärke sich durch die Fähigkeit, innerste Befindlichkeiten und Zerissenheiten mit künstlerischen Mitteln adäquat auszudrücken, offenbart. Fahras differenzierte Unsicherheit ist Thema, aber keineswegs persönlicher Status der Künstlerin.

In ihrer Einführung während der Vernissage erkennt die Kunsthistorikerin Yanine Esquivel dies mit Empathie: Farah Willems Frauen werden „mit einer zarten aber bestimmten durchgezogenen Linie auf das Papier gebracht, ohne auch nur einmal die Feder abzusetzen“. Die tiefere Vielschichtigkeit erzielt sie durch eine eigene Mischtechnik, wobei sie nicht nur zu Feder und Pinsel greift, sondern auch zum Spachtel und akzentuiert Farben, Tinten und Lacke auf das verwendete japanische Reispapier aufträgt. Die Unschärfe ihrer dargestellten Gesichter unterstreicht perfekt flirrende innere Gefühlswelten. Zusätzlichen poetischen Ausdruck erreicht sie durch ihre metamophorische Bildgestaltungen.


Es verwundert nicht, dass sich Farah Willems Schaffen nicht allein auf ihre verzaubernde Verquickung von Grafik und Malerei beschränkt. Ihre Bildfindung fusst auf einer lyrischen Fotografie, in der sie ihren eigenen Befindlichkeiten immer wieder nachspürt, auf den Grund geht oder einfach nur sucht und findet. So sehr sie dabei den Betrachter in ihre Welten auch hineinzuziehen vermag, so sehr achtet sie aber auch darauf, Distanz zu bewahren. Dabei bleibt sie stets und ganz Frau, mit vollem rotem Mund, nie lächelnd, immer geheimnisvoll, immer verletzlich bleibend. Flankierend zu dieser Bilderwelt entwickelt sie lyrischen Ausdruck in Gedichten.

Über diese Poesie wurde Farah Willem „entdeckt“. Es war der in Berlin lebende Horst-Rainer Judith, der über ihre Bilder und Zeilen im Internet stolperte und derart fasziniert war, dass er den Kontakt suchte. Mittlerweile hat er gemeinsam mit Willem ein zweisprachiges Büchlein erstellt, ihre Gedichte übersetzt:  „Le silence autour des pavots – Die Lautlosigkeit rundherum um den Mond“ ist im Karin Fischer Verlag als Paperback erschienen und mit einigen Willem-Bildern illustriert.
(ISBN: 978-3-8422-4102-2 – Euro 12,80)

Judith war denn auch vor Ort, im Gegensatz zur in Paris lebenden Künstlerin, auf deren Biographie Yanine Esquivel auch noch einging. Kunst zu schaffen gehöre für Farah Willem zum Leben „wie das Atmen, das Essen und das Schlafen“. Willem  sei „manchmal sogar in einem solchen Rausch, dass die Kunst Vorrang vor allem anderen“ habe, betonte Esquivel.

Die Bürgergalerie in Neumünster (Esplanade 20) passe als Ausstellungsort perfekt, weil „die Atmosphäre dieses Ortes den Charakter von Farahs Arbeiten wunderbar unterstreicht“.
Nachzuprüfen ist dies noch bis zum 4. Juli 2014, mittwochs bis samstags jeweils von 15:00 bis18:00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Wer mehr erfahren möchte, klicke hier:
http://www.buergergalerie.de/ (u.a. eine Kurzbiografie)
Einen ausführlichen Bericht zu Farah Willems Ausstellung vor kurzem in Husum:
Fotos und Bilder von Farah Willem in ihrem eigenen Flickr-StreamBild

Hybride Halle in Pastell

Also ich als Skulptur, als hybride zumal, weiß ja seit Giacometti, dass es die Skulptur ist, die den Raum schafft.
Seit Karla Black weiß ich nun auch, dass Skulptur hybriden Raum schaffen kann. Es braucht dazu nicht allzuviel: Nagellack, Schminkpads, Vaseline, Farb- und Gipspulver und eine hübsche Halle mit feinem Oberlicht und jede Menge englischen Tesa-Film. Naja, und noch dieses und jenes, was skulptierende schottische Frauen so anschleppen. Steckschaum. Aluminium. Das eigene Körperfett.
Würde Karla Black lediglich feminin-verklärte Idylle inszenieren, wie es angesichts von Lidschatten und reduzierter Pastell-Farbpalette scheinen mag, wäre sie kaum für den Turner-Prize nominiert worden. Ihre performativen Skulpturen-Bildungsprozesse werden zuweilen als „animalisch“ beschrieben. Sie faltet Aluminium und trägt dann Nagellack auf. Sie begreift Cellophan, so dass Farbe an ihren Fettspuren abperlt, walkt zarte Watte in weichen Farben bis skulpturale Artefakte entstehen. Karla Black verspielt den leichten Luftzug der Klimaanlage mit dem Sonnenlicht, so dass scheinbar warmer schottischer Frühlingsregen zu einem Dancing in the Rain einlädt, zum ausgelassenen Feiern in diesem luziden Tanzsaal. Doch wer sich darauf einlässt und es wagen möchte, wird nie mehr herauskommen, wird in seinem Selbst verkleistert, verklebt, gefangen. Und die Idylle stirbt dazu.
Doch diese Hybride Halle von Karla Black entwickelt ihren Besuchern gegenüber eine eigenartige Autorität. Jeder hier wirkt fröhlich. Und jeder ahnt, weiß, fühlt, dass diese Idylle trügt. Auf nichts kannst Du hier wirklich zählen. Niemand tanzt. „Stop Counting“BildBild

Putin als Pop-Retter?

Das Ergebnis finde ich beachtenswert:
Als ich am Freitag im Online-Spiegel lesen musste, wie Putin angeblich den Pop rettet, dachte ich: Das nervt bestimmt Jürgen Stark, den ich vor rund 20 Jahren im Rahmen des John Lennon Talent Award kennen lernte. Popautor Stark nahm meine Anregung an und haut mächtig auf die Tonne …